Es ist nicht alles Gold was glänzt. Das gilt auch für den im Münsterland ansässigen Hersteller von Autogasanlagen, ÖCOTEC. Vor zwei Jahren verhandelte ÖCOTEC noch mit dem Stuttgarter Daimler-Konzern über OEM-Ausrüstungen mit Autogasanlagen, jetzt vielleicht eher mit dem Konkursrichter, denn nach Informationen des AutoGas Journals stellte die Nachfolgegesellschaft der ÖCOTEC Autogasengineering GmbH Eigenantrag beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg auf Insolvenz.

Darüber entscheidet jetzt das zuständige Insolvenzgericht. Das könnte aber schon bald tatkräftige Unterstützung von der Staatsanwaltschaft erhalten, denn viele Umrüstbetriebe haben Forderungen teilweise in fünfstelliger Höhe gegen den Gasanlagenhersteller und sehen den Gang zum Insolvenzgericht als überfälligen Schritt an, der längst hätte vollzogen werden müssen.

Die letzten Tage in der ÖCOTEC-Zentrale könnten demnach sehr hektisch gewesen sein. Am 10. Februar 2010 gründete man noch schnell eine Zweigniederlassung in Berlin, Geschäftsführerin war Agnes Lörincz, die Gattin des ÖCOTEC-Chefs Josef Lorenz, der ungarische Wurzeln hat. Nach genau 15 Tagen übernahm dann die Alu Tec Berliner Anlagenbau GmbH die Geschäfte von ÖCTEC, um am 1. März selbst Eigenantrag auf Insolvenz zu stellen. Vielleicht war man hier der Ansicht, eine Insolvenz in Berlin würde nicht so sehr wahrgenommen werden wie in Westfalen.

Bei Daimler in Untertürkheim, wo die Techniker die ÖCOTEC-Anlagen nie verbauten, wollte man nie eine Geschäftsbeziehung mit ÖCOTEC eingehen. Der Münsteraner Händler Beresa, mit 22 Mercedes-Benz-Vertragshändlern eines der Schwergewichte der Branche, hatte sich dagegen auf eine Geschäftsbeziehung eingelassen und preiste selbst zwei Wochen nach Insolvenzantrag immer noch die Anlagen von ÖCOTEC auf der Homepage an. Auch die niedersächsische Nbank lobt immer noch ihr Invest in ÖCOTEC. Es dürfte wohl eine Summe von 500.000 Euro gewesen sein, nachzulesen im Hausprospekt im Internet. Auch diese Summe dürfte die Bank wohl abschreiben.

Damit aber nicht genug. Derzeit sitzen viele der mehr als 500 Umrüstbetriebe, die Anlagen bezogen haben, nicht nur mit ihren Forderungen, sondern mit ihren Garantie- und Ersatzteilbestellungen buchstäblich auf dem Trocknen. Zwei ehemalige Mitarbeiter von ÖCOTEC, die frühzeitig die Firma verlassen haben und aus dem Unternehmen ausschieden, füllen derzeit die Lücke, die sich aufgetan hat und können einen Großteil der Ersatzteilversorgung sicherstellen. Auf der Homepage www.lpg-produkte.de erhalten Umrüster und Endkunden die Rufnummer der beiden Jungunternehmer, die Wert darauf legen, mit den bisherigen ÖCOTEC-Geschäften nicht in Verbindung gebracht zu werden. Pablo Voss zum AutoGas Journal: „Wir haben derzeit so viele Anfragen, dass wir noch nicht dazu gekommen sind, die Homepage fertigzustellen.“ Reparaturen von Steuergeräten, Drucksensoren und alles, was im Rahmen der ECE R 115-Regelung getauscht werden kann, liefert die junge Firma. Dass aus der Hilfestellung bald ein funktionierendes Geschäftsmodell wird, ist kaum zu bezweifeln, denn eine „diverse“ Menge der knapp 10.000 am Markt befindlichen ÖCOTEC-Anlagen scheint nicht besonders zuverlässig zu sein, wie Klagen von Kunden und Werkstätten beim AutoGas Journal zeigen. So baute beispielsweise Torsten Jänsch vom AutogasCentrum Hannover über zwanzig ÖCOTEC-Anlagen wieder aus, weil sie nicht funktionierten. Jetzt sitzt er auf den Anlagen. Erstattet wurden sie ihm bis heute nicht. Ein Brancheninsider sieht nun in der Hilfe einen Fall von Glück im Unglück: „Es zeigt, das die Autogas-Branche doch recht gut funktioniert. Schwarze Schafe gibt es halt überall.“

Weitere Informationen über ÖCOTEC, die Homologationen in Ungarn, welche Firmen ÖCOTEC-Anlagen in ihrem Fuhrpark haben und vieles mehr lesen Sie in der nächsten Ausgabe 2 des AutoGas Journals, die am 4. Mai im Handel erscheint.

Quelle: Autogas Journal




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